Scharfer Frauenpower

Hoyerswerdas schärfster Frauenpower

Wie ich mich in ein Mädchen verliebte

Ich sinke in die schaumigen Kissen einer lindgrünen Ledercouch. Erschrocken schlage ich die Knie zusammen. Was habe ich mir nur gedacht, zu diesem Termin im luftigen Kleid zu erscheinen. Ein Blick durch die angelehnte Haustür lässt mich befürchten, dass ich gleich noch tiefer sinken werde.

Die Schöne

Einige Minuten muss ich noch warten auf Sven Benics. Mit ihm und vor allem mit seinem „Mädchen“ bin ich heute verabredet. Ich war ihr gerade begegnet, hatte jedoch noch nicht den Mut, sie zu begrüßen. Vor der Tür des AFD-Büros in der Dresdener Straße in Hoyerswerda steht sie, und sie ist eine Schönheit. Nicht zu hoch gewachsen, schlank in der Linie, doch gut gewölbt an den passenden Stellen. Sie trägt ein kobaltblaues Kleid. Diese Farbe passt einfach am besten zu ihr, findet Sven Benics. In ihrem Ausweis steht Z 06. In den Augen ihres Liebhabers glänzt die Leidenschaft.

„Sie“ ist eine 2008er Corvette.

Die Schnelle

Wie kann sich eine Unwissende wie ich einem solchen Auto nähern? Ich habe keine Fragen notiert, möchte nicht reden, ich möchte fahren. Wohin? – Egal! Also erst mal auf die Landstraße. Ein wenig komisch ist mir schon. Die Corvette hat die Türen verriegelt. Sie wird uns erst wieder freigeben, wenn sie still steht und der Rückwärtsgang eingelegt ist, reine Vorsichtsmaßnahme. Gespannt-sachliche Konversation, nervöses Abtasten: Knappe 600 Pferde, etwas über 1000 Kilo, 330 km/h Spitze, von 0 auf 100 in 3 Sekunden, Head-Up-Display… die Türen sind unverändert fest verschlossen, irgendwie sind wir drei jetzt unter uns. Ein LKW versperrt uns den Weg. Darauf hat sie nur gewartet. Ein kurzes Aufbäumen der sieben Liter Corvette-Powerpotential, Die stabilisierenden Systeme spannen das Heck auf der Straße fest, dann drückt sie mir fest in den Rücken, schiebt mich vorwärts, schiebt und schiebt. Mein Herz schlägt uns vorweg, mein Atem kommt nicht hinterher. Das Adrenalin ist schneller als die Angst, dann ist es auch schon vorbei. Ein kurzes konzentriertes Bremsmanöver erzeugt den notwendigen Gegenschub und ordnet uns wieder in den Straßentakt ein. Ruhig, als wäre nichts geschehen, surrt das Mädchen über den Asphalt.

Die Starke

Was machen wir nun mit der Schönen? Wir möchten ihre Gestalt im Foto festhalten, sie vorzeigen, ihren verführerischen Charme kitzeln. Wir bringen sie zu den Partwitzer Pferden, Mädchen mögen ja Pferde. Wir zeigen ihr die Lausitzer Seen und die Birken vor dem strahlenden Himmel. Wir erinnern uns des Ursprungs ihres Namens: „Corvette“ steht für ein französisches kleines wendiges Kriegsschiff. Und wir spielen mit ihrer übersinnlichen Kraft, messen ihre ästhetische Ausstrahlung mit den Gegnern, lassen die Frage nach dem Sieger unschuldig. Denn dieses Mädchen gibt keine Antworten, sie bleibt so offen wie ein gutes Buch, auf das sich ein jeder selbst einlassen muss.

Also fahren wir einfach noch ein Stück. Das BOSE-Dolby-Surround-System hüllt uns in den männlichen Zauber kräftiger Heavy-Gitarren. Vor zwei Stunden hatte ich mich gewaltig geirrt. Ich bin nicht tief gesunken, ich bin gerade verdammt hoch geflogen.

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