Tiefer Eindruck
Von Umweltsünden, dem kippeligen Selbst und einem Geschenk an eine Stadt.
Hoyerswerda. Foucault-Gymnasium. Mir schießen die Tränen in die Augen. Eben noch krochen zwei Körper gemächlich durch den Müll der Moderne und ließen sich füttern mit den plastinen Resten aus einem Einkaufskorb. Jetzt schleppt sich zu meinen Füßen ein scheinbar ölverschmierter Körper über einen schmalen Steg und bleibt am Ende liegen. Zu hören sind meeresrauschende Musik und Möwenschreie. Einige Dutzend Menschen stehen fassungslos herum, als die schwarze Gestalt ihr Leben aushaucht.
Wasserturm am Bahnhof. Ich steige schmale Metallstufen hinauf. „Auf eigene Gefahr“, wie vor dem Besteigen des backsteinernen Turmes gewarnt wurde. Die Ebenen sind geschmückt mit Panoramabildern der Stadt. Nachtklänge und das Schwatzen belebter Plätze klingen beispielgebend aus herumhängenden Kopfhörern. Alle wollten mal hinein – in den Wasserturm. Er ist ein Wahrzeichen – es ist ein Geschenk an jeden Hoyerswerdaer. Die Dankbarkeit für die vielleicht einmalige Chance spricht aus den Lobeszeilen im Gästebuch.
Ein privater Garten. Halblaute Musik stielt sich unter einer großen Trauerweide hervor. Die zarten bronzenen Skulpturen von Roland Zigan flimmern schwer im Sonnenlicht. Für mich ein Highlight dieses Tages. Ein kippeliges „Selbst“ findet Halt in seiner verschobenen Mitte. Eines drangloser Wartender verharrt auf einem viel zu hohen Stuhl. Im selben Garten und in perfekter technischer Zeichnung präsentieren sich die Baupläne der Braugasse am Hoyerswerdaer Markt.
Schwarze Elster. Ich stehe baren Fußes auf den Holzdielen der neuen Fußgängerbrücke. Aus versteckten Lautsprechern hupen mächtige Dampfer. Das Dröhnen bricht den ländlichen Eindruck des dreckigen und nur knöchelhoch fließenden Wassers. Wieder Möwengeschrei. Rote und blaue Fußspuren verbinden die Ufer. Die Frühsommersonne drückt. Im Flusswasser planschen ein Vater und ein Sohn. Erinnerungen an die eigene Kindheit schmuggeln sich in den heißen Tag.
Es war der 5. Juni. Es waren einige von 40 Stationen des diesjährigen Kunstlandstriches der Kulturfabrik. Es war in Hoyerswerda und es war weit darüber hinaus.
















